Der längste Spreewaldkahn

Lubkoll-Trainingsboote sicherten Olympiagold

Lübbenauer Firma Lubkoll baute 19 Meter lange Trainingsruderboote für Olympia 1936

Mitte der 1930-iger Jahre bereitete sich die Sportjugend der Welt vor, um die XI. Olympiade der Sommerspiele in der deutschen Hauptstadt Berlin im Sommer 1936 durchzuführen. Richard Lubkoll (1898-1980) baute damals bis zu 19 Meter lange Trainingsboote für die deutschen Olympioniken. „Wir bauten Ruderboote für Olympia und zur gleichen Zeit wanderten deutsche Demokraten in die Zuchthäuser“, so der Lübbenauer Tischlermeister und Kahnbauer Albert Lubkoll, sein Sohn, der zum Jahrgang 1926 gehörte. Seine Erinnerungen an die Olympiade in Berlin im Jahre 1936 sind zwiespältig. Einerseits freute er sich, dass sein Vater einen gewissen Anteil an dem großen sportlichen Erfolg der deutschen Ruderer hatte. „Niemand hätte damals geglaubt, dass nur drei Jahre später der verheerende Zweite Weltkrieg beginnen und so viel Elend und Not hinterlassen würde“, so der Spreewälder aus der Lübbenauer Altstadt.

Noch heute liegen im firmeneigenen Archiv der Familie Lubkoll Unterlagen, die den Bau von den spektakulären Trainingsbooten für die deutsche Rudermannschaft belegen. Umfangreiche technische Skizzen und Bauzeichnungen mit ellenlangen Berechnungen vermisst man allerdings, obwohl einige Boote damals sogar 19 Meter lang und 1, 60 breit waren. Aufgefundene Fotos belegen, dass mindestens 20 Wassersportler darin Platz fanden. Nur eine kleine DIN-A-4- Handskizze von Richard Lubkoll bildete die Grundlage für die damaligen Arbeiten. Die Maße für die Längen, Bootsbreiten, Sitzabstände, Verstrebungen, Vertiefungen, Verjüngungen und Tiefgänge sind sorgfältig eingetragen. Auf der Skizze ist nur die Hälfte des Trainingsbootes mit allen Aufmaßen und Details eingezeichnet. Die andere Hälfte des zu bauenden Trainingsbootes war spiegelgleich.

Den Bauauftrag für die Wasserfahrzeuge erhielt die Lübbenauer Firma von der damaligen Deutschen Hochschule für Leibesübungen in Berlin. Der Sportlehrer Hugo Borrmann hielt die Verbindung zwischen dem Auftraggeber in Berlin und der Spreewaldstadt.

Thomas Lubkoll bewundert seinen Großvater Richard, von dem er als junger Kahn- und Bootsbauer noch viele wichtige Hinweise für die Anfertigung der traditionellen Spreewaldkähne und der wendigen Sportboote erhielt.

„Mein Großvater Richard muss damals schon einen Computer im Kopf gehabt haben, um die gesamten Maße und Kräfte im superlangen Ruderboot berechnen zu können“, so der Meister für Karosserie- und Fahrzeugbau lachend. Die gewaltigen Unterschiede werden deutlich, wenn man weiß, dass der längste Spreewaldkahn „nur“ 9,50 Meter lang und 1,90 Meter breit ist. Die 20 Rudersportler haben bei ihren Trainingseinheiten eine gewaltige Kraft mit den Ruderblättern entwickelt. Diese Kräfte galt es auf die hölzerne Konstruktion des gesamten Wassergefährtes zu übertragen, ohne den Bootskörper zu schädigen.

Die Trainingsboote der Firma Lubkoll wurden von der deutschen Rudermannschaft intensiv genutzt. Mit Erfolg, wie sich bei den olympischen Wettkämpfen bald herausstellte. Auf der weltberühmten Ruderstrecke in Berlin-Grünau gewannen die deutschen Ruderer bei sieben Wettbewerben fünf Goldmedaillen. Dazu noch eine Silber- und eine Bronzemedaille.

Die Firma Lubkoll verfolgten die spannenden Wettkämpfe mit den sportlichen Entscheidungen in der Lübbenauer Gerbergasse am Radio.„Natürlich haben wir uns gefreut, dass die deutschen Ruderer so erfolgreich waren“, meinte Albert Lubkoll im Gespräch und fügte noch hinzu: „Einen kleinen Anteil bei diesem Medaillensegen hatten wir durch unsere robusten Trainingsboote sicher auch“. Bernd Marx

aus Becker/Marx: Faszination Spreewaldkahn, Edition Limosa

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Jahrgang 1948, Diplomlehrer, Freier Journalist und Fotograf

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